In diesen Tagen werden in ganz Deutschland Unis oder zumindest Teile der Uni besetzt. Auch in Bielefeld fand dies statt. Die Studierenden kritisieren Studiengebühren, das Ökonomisieren der universitären Inhalte und den Mangel an demokratischer Mitbestimmung in der Uni. In diesem Kontext wird oft ein Bildungsideal beschworen, welches nie Leitfaden für die Realität war. Ideale taugen nur wenig die gesellschaftlichen Zustände zu begreifen, um daraus eine Kritik zu formulieren. Übersehen wird die Tatsache, dass Ausbildungsstätten, wie es die Universität eine ist, einem gesellschaftlichen Zweck dienen: Schaffung von leistungsfähigen Arbeitskräften für den Arbeitsmarkt. Die derzeitige Organisierung von Studium und Schulwesen sind durch die Politik sind ein deutliches Zeugnis dafür. Weil dem Staat die Ausbildung in Schule und Uni zu lange dauerte und deswegen zu viel kostete, kürzte er die Ausbildungsdauer und komprimierte die Lehrinhalte. Das Ergebnis ist das derzeitige Bachelor/Master System und die Verkürzung der Schulzeit. Die für die kapitalistisch organisierte Gesellschaft notwendige Konkurrenz der Interessen wird folgerichtig auch in der Uni umgesetzt. Die Studiengebühren sind dabei nur ein weiterer Beleg für die Selektion von künftigen Arbeitskräften. Eine Kritik des Bildungswesens sollte sich nicht auf die derzeitigen Ausformungen desselben beschränken. Beim Erfassen der Funktion, die Bildung in der gesellschaftlichen Verfasstheit einnimmt, wird deutlich, dass das Problem fundamental und das heißt gesamtgesellschaftlicher Natur ist. Wenn überhaupt Forderungen gestellt werden, dann müssen sich diese als organisierte Interessenkonflikte äußern. Wer auf die Einsicht der Herrschenden setzt, kann nur scheitern. Forderungen können nur durchgesetzt werden, wenn ihnen in sozialen Kämpfen durch organisierten Widerstand Nachdruck verliehen wird.
Leute, die das Bildungssystem nicht nur wegen Studiengebühren oder seiner Abschlusssysteme kritisieren, sind dazu aufgerufen sich in einem revolutionären Block auf der Demo zusammenzuschließen, um deutlich zu machen, dass wir die Freiheit zum kapitalistischen Verwertungszwang immer noch scheiße finden.

17.11.09/15:00/Rathaus Bielefeld

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